Das Problem der Wirtschaftsinformatiker

BWLer sagen: Die haben doch keine Ahnung von BWL, Informatiker ist Informatiker.

Informatiker sagen: Die haben doch keine Ahnung von Informatik, keine Ahnung was das sind, aber von IT haben die jedenfalls keine Ahnung.

Ich bin Wirtschaftsinformatiker und ich muss sagen, dass die BWLer und die Informatiker recht haben. Ich werde in BWL niemals richtig gut sein und ich werde in der Informatik niemals richtig gut sein. Ich kann aus beiden Bereichen etwas, aber beherrsche kein Gebiet richtig gut. Und das nervt mit ehrlich gesagt, dass es so ist. Ich schwanke immer hin und her was wichtiger ist und auf was ich in Zukunft die Priorität setzen soll.

Ich setze den Schwerpunkt auf BWL. Ich bin Unternehmer und da ist BWL Wissen wichtiger als irgendwelche IT Sachen. Was interessiert mich wie ich eine Webanwendung im Detail aufbaue, ich will diese betreiben und groß rausbringen. Zur not kann ich die Programmierung halt nach Indien oder in die Ukraine auslagern. Dort gibt es doch genug qualifizierte Informatiker und ich kann auch gleich noch Geld dabei sparen.

Wirklich?

Nein, ich setze den Schwerpunkt lieber auf die Informatik. Dann kann ich ein richtig geiles Produkt gestalten. Dann kann ich es besser und nochmals besser machen. Ich weiss genau wie es funktioniert und kann alle Probleme lösen. Mein Ziel ist nur, dass es gut ist und funktioniert – ich muss mich nicht um Kunden und Geld verdienen kümmern. Dafür suche ich mir irgendeinen Vertriebler oder BWLer, der das Zeug für mich verkauft.

Tja, es ist nicht einfach sich zu entscheiden. Ich habe darüber auch noch mit anderen Wirtschaftsinformatikern gesprochen, die im Web 2.0/Gründer/Startup Umfeld unterwegs sind.

Fast alle (auch ich) fühlen sich zu 60 Prozent als Informatiker und zu 40 Prozent als BWLer. Alle streben jedoch 60 Prozent BWL und nur 40 Prozent Informatik an.

Warum ist das so?


Kategorien: Irgendwas anderes, Studium
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4 Responses to “Das Problem der Wirtschaftsinformatiker”

  1. Nunja, Winfo ist ja nicht nur eine (beliebig verschiebbare) Mischung aus Informatik und BWL.

    Winfo ist auch eine eigenständige Disziplin, die viele eigene Themen mit sich bringt, die i.d.R. weder der Informatik, noch in der BWL zuzuordnen sind:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsinformatik#Arbeitsgebiete_der_Wirtschaftsinformatik

  2. Oh ja, da hast du natürlich recht. Und die meisten Leute (die Wirtschaftsinformatik studieren) werden sich da irgendwo auch wiederfinden.

    Meine Aussage bezieht sich auf die Wirtschaftsinformatiker, die Gründer sind oder selber eigene Internet Projekte betreiben, etc.

  3. Nunja, ich muss sagen, dass ich von meinen BWL-Vorlesungen aber auch nicht viel Gründungstaugliches mitnehmen konnte.
    Rechnungswesen? Kosten- und Leistungsrechnung?
    Vielleicht marginal Marketing oder Investition/Finanzierung.
    Da hört’s aber schon fast auf.

  4. Das ist mal ein interessanter Beitrag. Ich habe vor Beginn meines Studiums auch darüber nachgedacht. Nachdem ich dann meinen Bachelor abgeschlossen hatte, wusste ich, dass ich mich weiter auf Wissensmanagement spezialisieren will.
    Jetzt wo ich meinen Master an einer Universität mache, fällt mir jedoch bei den Informatikern auf, dass ich nicht “wirklich” eine Ahnung habe und bei den BWL’ern sitze ich drin und muss einiges an Stoff nachholen bzw. wiederholen, damit ich mitkomme.
    Allerdings würde ich mich auch zu 60% Informatiker und zu 40% BWLer einstufen. Oder doch eher 30% Informatiker, 30% BWLer und 40% Wirtschaftsinformatiker mit Schwerpunkt auf Business Intelligence, Wissensmanagement und Prozessmodellierung? Wahrscheinlich eher letzteres.

    Aber das ist eine spannende und interessante Frage. Hoffe noch mehr Meinungen zu hören.

    @Thomas:
    Ich denke die BWL und Informatik Vorlesungen sind auch nicht dazu gedacht, möglichst viel Wissen über ein Themengebiet mitzunehmen, sondern eher die Denkstrukturen in diese Richtung zu entwickeln und anfangen wie ein BWLer bzw. Informatiker zu denken.

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